Naxos Union

Ort: Wittelsbacher Allee

"Der Schicksal der Naxos Union ist heute geklärt"

Zur Geschichte:

Die Gründung des Unternehmens geht zurück auf Julius Pfungst, der durch einen Vertrag mit der Société du Véritable Emeri de Naxie, Syra, das Alleinverkaufsrecht von echtem Schmirgel, der auf Insel Naxos abgebaut wurde, erhielt. Am 15. Oktober 1871 ging das Recht auf die neugegründete Naxos-Union, die "Gesellschaft des echten Naxos-Schmirgels" über. Im selben Jahr wurden Dampf-Schmirgel-Mühlen im Sandweg 21 errichtet. Ein Jahr später wurde die Erweiterung um weitere Einrichtungen beantragt, die für die Weiterverarbeitung notwendig waren. Julius Pfungst gelang es ein 2064m² großes Grundstück in "Atzemer, Klickerbahn" (Wittelsbacher Allee) zu erwerben.

Marie Eleonore Pfungst (1862–1943), die letzte legitime Inhaberin der Naxos Union begründete 1918 die Arthur-Pfungst-Stiftung. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie 1943 starb. Foto um 1930.

©Institut für Stadgeschichte

 

Zitat aus Institut für Stadtgeschichte, Stand 2003:

Heimeinkaufvertrag H Nr. IV 319.

Zwischen der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland und Fräulein Maria Sara Pfungst, Kennort: Frankfurt/M, Kennummer: 02260, Anschrift: Eschenheimerlandstr. 21, wird folgender Heimeinkaufvertrag geschlossen.

Marie Eleonore Pfungst (1862–1943), begründete 1918 die Arthur-Pfungst-Stiftung, schied 1935 aus der Stiftung und der Geschäftsleitung der Naxos-Union aus, 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie 1943 starb. Foto um 1930.

1. a) Fräulein Pfungst erkennt folgendes an:
Da der Reichsvereinigung die Aufbringung der Mittel für die Gesamtheit der gemeinschaftlich (in Theresienstadt) unterzubringenden, auch der hilfsbedürftigen Personen obliegt, ist es Pflicht aller für die Gemeinschaftsunterbringung bestimmten Personen, die über Vermögen verfügen, durch den von ihnen an die Reichsvereinigung zu entrichtenden Einkaufbetrag nicht nur die Kosten ihrer eigenen Unterbringung zu decken, sondern darüber hinaus soweit als möglich auch die Mittel zur Versorgung der Hilfsbedürftigen aufzubringen.
b) Fräulein Pfungst kauft sich vom 15. 9. 42 ab in die Gemeinschaftsunterbringung mit einem Betrag von 56.658,17 RM (in Worten Sechsundfünfzigtausendsechshundertachtundfünfzig RM und 17) ein.
2. Der Einkaufbetrag wird wie folgt entrichtet:
a) in bar: RM -
b) durch die hiermit vollzogene Abtretung von Barguthaben und Wertpapierdepots bei der Commerzbank in Frankfurt/M sowie Guthaben bei der Firma Naxos Union in Frankfurt/M gemäß der abgegebenen Heimeinkauf-Vermögenserklärung.
3. a) Mit Abschluß des Vertrages wird die Verpflichtung übernommen, dem Vertragspartner auf Lebenszeit Heimunterkunft und Verpflegung zu gewähren, die Wäsche waschen zu lassen, ihn erforderlichenfalls ärztlich und mit Arzneimitteln zu betreuen und für notwendigen Krankenhausaufenthalt zu sorgen.
b) Das Recht der anderweitigen Unterbringung bleibt vorbehalten.
c) Aus einer Veränderung der gegenwärtigen Unterbringungsform kann der Vertragspartner keine Ansprüche herleiten.
4. Bei Eintritt einer körperlichen oder geistigen Erkrankung des Vertragspartners sowie eines sonstigen Zustandes, der das dauernde Verbleiben in der Gemeinschaftsunterbringung ausschließt und eine anderweitige Unterbringung geboten erscheinen läßt, ist die Reichsvereinigung berechtigt, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Entsprechendes gilt bei wiederholten groben Verstößen gegen die Ordnung der Gemeinschaftsunterbringung.
5. a) Der Einkaufbetrag geht mit der Leistung in das Eigentum der Reichsvereinigung über.
b) Ein Rechtsanspruch auf Rückzahlung dieses Betrages besteht, auch beim Tode des Vertragspartners oder bei einer Aufhebung des Vertrages aus sonstigen Gründen, nicht.


Quelle: ©Stadt Frankfurt am Main

©Institut für Stadgeschichte


Marie Eleonore Pfungst, die Schwester des Namensgebers, wurde 1935 aus dem Vorstand der Stiftung und der Geschäftsleitung der Naxos-Union verdrängt ! 1939 wurde die Stiftung in "Frankfurter Stiftung für geistige Förderung", danach in "Waldschmidt-Stiftung" umbenannt. Nach 1945 wurde der alte Stiftungsname wiederhergestellt. Die Stiftung bezweckte fortan die Förderung des geistigen Lebens und die Verbreitung und Vertiefung der Bildung unter allen Volksschichten, u.a. durch die Gewährung von Ausbildungsbeihilfen. Weitere Stiftungstätigkeiten nach 1945 waren die Unterhaltung und der weitere Aufbau einer technisch-wissenschaftlichen öffentlichen Bibliothek, die Unterhaltung eines Kindergartens für die Kinder berufstätiger Mütter und die Unterhaltung eines nach Marie Pfungst benannten Altenwohnheims in Bad Homburg.

 


Naxos Union 2007

Nach 30 Jähringem Mietvertrag im Wert von ca. 30 Millionen !!! wurde das Gelände der Naxos Union von der Stadt Frankfurt am Main für weitere ca. 20 Millionen Euro erworben.

 

 

Ein Gedenktafel erinnert: "Unter strenger Bewachung arbeiteten hier im früheren Werk der Naxos Union zwischen 1942 und 1944 über 700 Zwangsarbeiter - vile von ihnen Frauen - vor allem aus Ukraine Frankreich und Italien. Das Schikcksal der meisten von ihnen ist bis Heute ungeklärt."

 


 

Villa Naxos Union dient heute als Bürogebäude. Einzig die Villa und unter Denkmalschutz stehende Halle der Naxos Union sollen beibehalten werden

 

Unter Denkmalschutz stehende Halle der Naxos Union dient heute als Theater für Puristen: In der Halle hat seit 2000 das 1991 gegründete Theater Willy Praml seine Spielstätte.

 

Zur Abriss freigegebene Naxos Union:

 

Auch das altes Kesselhaus mit Schornstein ist zum Abriss freigegeben:

 

Die Stadt Frankfurt am Main plant ein Abriß des gesammten Areals sammt Kesselhaus mit anschließender Bebauung des Areals mit Wohnungen (siehe Lageplan unten). Boker leila

 


 

Neubebauung Naxos Union Gelände, Stand Januar 2007:

©Stadt Frankfurt am Main Amt 63.3